Freundschaft aus oadischer Sicht 2

Derzeit beschäftige ich mich wieder einmal mit dem Thema „Zufriedenheit“. Dieses Thema ist aus oadischer Sicht zentral im Leben. Zufrieden zu sein ist üblicherweise erstes Ziel eines Oadiers. Dabei wird davon ausgegangen, daß Zufriedensein eine Fähigkeit ist, so wie eine handwerkliche Fähigkeit, die eigentlich jedermann lernen kann. Vielen Deutschen fällt dies jedoch erfahrungsgemäß sehr schwer, darum verstehen sie oft auch nicht diesen Ansatz an das Leben von der eigenen Zufriedenheit aus heranzugehen. Wenn ein Mensch unzufrieden wird, dann wird das in Oadien als etwas sehr Schlimmes betrachtet, während Deutsche praktisch durchweg unzufrieden leben, mal mehr und mal noch mehr.

Diese weltanschaulichen Unterschiede wirken sich nach meinem Eindruck auch auf mögliche Freundschaften aus. Ein Oadier wird dazu neigen einem Menschen, von dem er Unzufriedenheit wahrnimmt, darin versuchen ihm beizustehen. Diese Unzufriedenheit wird nahezu immer in seinem Fokus liegen, so wie ein Deutscher vermutlich nie entspannt irgendetwas mit einem anderen Menschen unternehmen wird, wenn dieser stark blutet, aber sich so verhält als wäre nichts Besonderes daran. So nimmt ein Deutscher diesen Fokus des Oadiers im Kontakt meistens kaum wahr, weil er für ihn nicht wirklich denkbar ist.

Schwierig ist von oadischer Seite auch Deutschen überhaupt zu vermitteln, was es bedeutet, wenn sie Zufriedenheit anstrebt. Für Deutsche bedeutet das z.B. Kampf und Sieg, etwas erobern um mehr zu haben, sich berauschen, klagen, jammern, betteln, drängen und dabei mehr oder weniger rücksichtslos vorzugehen, andere Menschen zu verletzen, ihnen Leid zuzufügen. Die oadische Weltsicht beinhaltet jedoch die gegensätzliche Ansicht, daß zum Zufriedenwerden auch gehört sich von Abhängigkeit zu lösen, der Zufriedenheit den Vortritt zu geben. Wer wenig oder am besten gar nichts benötigt um zufrieden zu sein, der hat gelernt wirklich zufrieden zu sein. Der Deutsche sieht darin oft etwas, das er als „Verlierersein“ bezeichnet. Eine Ansicht, die mit dem Gedankengut der Konsumsekte zusammenhängt, die durch solche Kategorien Menschen dazu manipuliert ihren Zwecken entsprechend tätig zu sein (Herrschaft durch Verbreitung von Unheil).

Diese verschiedenen Einstellungen bedeuten auch in gewisser Weise verschiedenes Herangehen an Freundschaft. Oadier suchen wie erwähnt zunächst in der Regel die Zufriedenheit. Deutsche hingegen haben oft gar keinen Sinn danach, diese Lebensweise liegt ihnen so fern, daß sie oft nicht einmal auf die Idee kommen, daß man das Leben auch so betrachten könnte. Wie erwähnt befinden sie sich oft auch mehr oder noch mehr in Denkbahnen, die denen der Konsumsekte entsprechen.

Für Oadier ist es deswegen oft besonders schwierig zu Deutschen freundschaftliche Verbindungen zu leben. Denn diese kommen eigentlich nie an einen Punkt, an dem für Oadier entspanntes Beisammensein gewöhnlicherweise beginnen würde, indem man darauf als Lebensminimum aufbauen könnte gemeinsam etwas zu tun, das beiden Freude macht.

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