Was bedeutet dir Freundschaft?

«Ohne Aufopferung lässt sich keine Freundschaft denken», soll Johann Wolfgang von Goethe gesagt haben. Was macht einen Menschen für uns zu einem Freund? Wie wollen wir selbst Freundschaft leben? Wie finden Freunde zueinander und wie verlieren sie sich wieder?

  • Wurde bis ins 17. Jahrhundert hinein nicht zwischen selbstgewählter und angeborener Freundschaft, also Blutsverwandtschaft, unterschieden, sind Freunde für uns heute Personen, die wir meist ausserhalb unserer Verwandtschaft selbst zu Freunden gewählt haben. Sprachlich steht das heutige Wort Freund mit dem Althochdeutschen friunt mit der Bedeutung Freund, Nächster, Geliebter, Verwandter in Verbindung. Dieses wiederum hängt mit dem im Gotischen belegten Wort frijon ‚lieben‘ zusammen. Ein Freund ist also in seiner ursprünglicher Bedeutung eine geliebte Person – erstmal unabhängig davon, ob zwischen den Freunden auch Blutsverwandtschaft besteht. Waren soziale Beziehungen früher vor allem auf die eigene (Dorf-)Gemeinschaft begrenzt, etablierte sich in Europa parallel zur wachsender Mobilität im 18. Jahrhundert ein Begriff von Freundschaft, der sich im Sinne einer Seelenverwandtschaft interpretieren lässt. Wirklich enge Freunde dürfte man diesem Verständnis von Freundschaft zufolge somit nur sehr wenige haben.
  • Unser menschliches Gehirn sei zu rund 150 stabilen, menschlichen Beziehungen fähig, besagt eine Theorie des Anthropologen Robin Dunbar. Bei diesen 150 Kontakten haben wir auch ein persönliches Wissen zu den einzelnen Personen und kennen die umfassenden Beziehungen der Personen untereinander. 150 Menschen – das entspricht der Grösse einer Dorfgemeinschaft. Diese Zahl ist nicht unumstritten, wurde jedoch zumindest in einigen experimentellen Settings bestätigt und gilt neueren Studien zufolge auch für menschliche Beziehungen in sozialen Netzwerken. Der sogenannte Dunbar-Index spielt nicht zuletzt für das Modellieren sozialer Beziehungen und für Theorien zur Entstehung und Entwicklung von Freundschaften eine bedeutende Rolle.
  • Die österreichische Jugend-Wertestudie von 2011 zeigt, dass auch den heutigen Jugendlichen Freunde wichtig sind. 77 % der Befragten betrachten Freunde und Bekannte als sehr wichtig in ihrem Leben. Dies bedeutet einen Zuwachs der Wertschätzung um 26 % seit 1990. Das soziale Gefüge der Jugendlichen sei jedoch vielfach durch Oberflächlichkeit geprägt, es gäbe viele Bekannte und wenig enge Freundschaften – so die Studie. Argumentiert wird unter anderem mit Facebook und der Betrachtung von Freundschaften als soziales Kapital. Relevant sei die Frage danach, welchen Nutzen eine Freundschaft bringe. Dies mache Freunde austauschbar gegen andere Menschen, die denselben Nutzen zu erbringen scheinen. Soziales Ansehen definiere sich nicht zuletzt über die Anzahl Freunde, die man vorzuzeigen habe. In Gruppengesprächen herrschte zwischen den Jugendlichen Einigkeit, dass man nur eine kleine Anzahl Freunde haben könne. Die Anforderungen an wahre Freunde orientieren sich an einem Idealbild von Freundschaft. Besonders folgende Anforderungen werden von den Jugendlichen an wahre Freunde gestellt:- «uneingeschränkte Akzeptanz der eigenen Persönlichkeit»,
    – «Verlässlichkeit, die an der Bereitschaft, in jeder Problemlage Beistand zu leisten, bemessen wird»,
    – «Offenheit und Ehrlichkeit»,
    – «blindes Verständnis, ‚Seelenverwandtschaft’»,
    – «Bereicherung des eigenen Lebens: FreundInnen müssen eigene Wachstumsmöglichkeiten befördern und den eigenen Horizont erweitern»Auffällig ist, dass diese Ansprüche nicht als gegenseitig thematisiert wurden. Es handelt sich vielmehr um einen Katalog, den Freunde den Jugendlichen gegenüber zu erfüllen hätten, nicht jedoch um Anforderungen, die die befragten Jugendlichen an sich selbst und ihre eigene Fähigkeit zur wahren Freundschaft stellten. Indes ist Altruismus dennoch keine geeignete Beschreibungsebene für die Freundschaften der Jugendlichen. Vielmehr sind die Freundschaften durch stark ökonomisierte Überlegungen geprägt. Freundschaften müssen ausgeglichen sein. Wer in eine Freundschaft investiert, möchte dasselbe auch vom Gegenüber zurückbekommen, andernfalls fühlt er sich übervorteilt.
  • Eine 2014 erschienene Studie, die die Häufigkeit der Telefonanrufe als Indikator für die Tiefe der Freundschaft wertete, untersuchte Veränderungen im sozialen Gefüge unter Freunden. Tatsächlich riefen die Versuchspersonen diejenigen Menschen, die sie als engste Freunde bezeichneten, am häufigsten an. Trat jemand Neues in den Freundeskreis ein, wurde einer der bisherigen Freunde ersetzt oder weniger häufig angerufen. Die Anzahl enger Freunde blieb jedoch konstant während des Untersuchungszeitraums.

Und jetzt bist du dran!

Was bedeutet Freundschaft für dich?

Wann bezeichnest du jemanden als Freund oder Freundin?

Was macht einen besonders guten Freund, oder eine besonders gute Freundin aus?

Was muss eine gute Freundschaft aushalten können?

Woran können Freundschaften zerbrechen? Woran wachsen sie?

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2 Comments

  1. 1. Freundschaft bedeutet für mich, mit echten Freunden ausnahmslos teilen zu können, nicht teilen zu müssen, aber zu können. Freundschaft bedeutet für mich aber nicht nur eine zentrale private Angelegenheit des eigenen Lebens, sondern auch ein Weg des sehr, sehr persönlichen neuen Miteinanders „für alle“, ein gesamtgesellschaftlicher Weg..!

    2. Ich bezeichne jemanden dann als Freundin oder Freund, wenn er/sie mir und ich ihr/ihm wirklich sicher und begründet vertrauen kann auch und besonders in den Situationen, wenn ich Fehler begehe, wenn ich echt und spürbar anders bin, wenn es mir richtig schlecht geht usw. usw. Und nein, Vertrauen bedeutet dann nicht, dass er für mich und ich andersrum ebenso für ihn ein fehlerloser Freund ohne Schwäche sein würde. Aber doch jeweils ein Freund, der bleibt, dessen Liebe und Freundschaft – sicher – bleibt, der mich nicht fallen und im Regen stehen lässt und ich ihn ebenso wenig.

    3. Ein echter Freund (ist für mich immer besonders gut, andere „Freunde“ sind keine) ist einer, der mich sicher liebt und „immer“ lieben wird. In jeder Situation. Der mich auffängt und trägt, was auch kommt. Und ich ihn mindestens ebenso auch! Immer auf Gegenseitigkeit ruhend!

    4. Alles. Eine wirklich gute Freundschaft muss alles aushalten..!

    5. Freundschaften können nur zerbrechen (ich rede nur von meiner Sicht), wenn sie keine waren und keine sind. Und sie wachsen und versichern sich dieser Realität je mehr, desto mehr sie das gelernt, gewollt und in praktischen „Prüfungssituationen“ im Leben bewiesen haben. Dabei darf jeder Freund, jede Freundin, die Teil einer Freundschaft ist, immer auch Fehler begehen und schwächer sein als man zuerst ahnen möchte.

    Nur eine zu kurze und immer subjektive Meinung zum Thema und zur Utopie und Realität echter und wirklich tragender Freundschaft…

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